Der Schauspielerberuf

Meine Einstellung zum Schauspielerberuf ist durchwachsen. Es ist der Job eines Freelancers mit allen Unvorhersehbarkeiten, die das Leben bietet.

Es ist bestimmt nicht einfach mit solchen Wechselbädern. Um dem damit verbundenen Stress zu entgehen und um gleichzeitig seinem künstlerischen Feuer gerecht zu werden, lässt sich der Anfänger hier nur allzuleicht am Zipfel seiner Berufsehre ansprechen und bei den Eiern der Begeisterung packen und arbeitet sodann für lau; letzlich nur um dabei sein zu können.

Das Brot des Künstlers ist der Applaus.

Das ist ein schlimmer Satz, der leider immer noch im Bewusstsein der Menschen herumgeistert. – Ich finde, man sollte sich auch als Anfänger nicht derart verramschen lassen. Das verdirbt die Preise der ganzen Branche. – Man sollte da wirklich besser sortieren.

Natürlich – und gar nicht mal so selten – werden tolle Aufführungen produziert,  wo alles rund läuft. Wo mit dem Angebot der Geschäftsleitung echte Freude aufkommt. Wo man sich in der Arbeit mit den Kollegen gut versteht, und  trotzdem oder – deshalb etwas Hochwertiges dabei herauskommt; eben weil die Mischung stimmt und die Räder perfekt ineinander greifen können.

Es gibt keine knackige Formel, auf die man den Beruf herunter brechen kann. Jede Konstellation von Leuten ist anders.

Wenn es eine Konstante gibt, dann vielleicht die der Familie. Eine Produktion, ein Ensemble, ein Schauspielschuljahrgang sind wie eine Familie. Da sind apriori die unterschiedlichsten Rollen und Positionen besetzt; hackordnungsgemäss, selbstverständlich, doch alle sind miteinander verbunden. Der Vater, die Mutter, die Kinder, die ganze Verwandtschaft.

Schauspieler besetzen sich selbst.

Das hat mein erster Intendant gesagt. Jürgen Flimm, und ich denke heute, das ist ein brauchbarer Satz. Nicht nur im Sinne eines Selbstbedienungsladens, sondern vielmehr im Kontext der Familie zu verstehen.

 

 

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