“Francofonia” – Opus über Kunst und Krieg

Kurz nach der Geburt meiner Tochter Louise kam ein Anruf mit der Bitte, mal schnell zu einer Anprobe nach Paris zu kommen. – Allô !?

Der russische Metteur-en-szène Alexandre Sokurov hat mich als guten Nazi-Offizier in Sachen Kunst besetzt. Als Banause hatte noch nie etwas von diesem Regisseur gehört oder gesehen und holte dies blitzschnell nach, bevor ich zur Anprobe nach Paris flog. Damit ich ungefähr im Bilde bin, wofür Sokurov steht. Mindestens für einen goldenen Löwen in Venedig; jeder Cineast kennt ihn. Ein Dinosaurier, dessen Name in einem Atemzug mit Andrei Tarkowski genannt wird.

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Jeden Morgen wurden meine Haare neu gefärbt. – Foto: Alexej Jankowski

Es war eine sehr aufregende Zeit, in dem Louvre-Opus über Krieg und Kunst mitzuspielen. Und ich könnte jetzt sehr viele Seiten darüber schreiben, was ich während der Dreharbeiten alles erlebt habe, und wie anders dieser Meisterregisseur arbeitet.

Es war ein echtes Highlight. Sowohl in meinem Schauspielerdasein, als auch in meiner privaten Biographie.  Darüber wie ich  zu dieser Ehre gekommen bin, mit Sokurov – und im Ausland zu arbeiten, obgleich meine Französischkenntnisse dies nicht verlangen – erreichten mich verschiedene Erklärungen. Am besten gefiel mir die von Sokurov selbst: Er habe nämlich A) einen original Deutschen Schauspieler besetzen wollen und B) habe meine Bienenhaltung den entscheidenden Ausschlag gegeben, sich für mich zu entscheiden. Das finde ich noch immer super !

Vom Windeleimer direkt auf den Lido zum roten Teppich eingeflogen. – Foto: S. Caër

Der Film wurde recht lang und aufwändig nachbearbeitet, und dann erreichte mich  eine Einladung nach Venedig ! wo der Film auf der 72. Biennale lief; auch ohne einen Löwen gewonnen zu haben, war der Film immerhin dafür nominiert, und Monsieur Sokurov nahm dort einen anderen Preis entgegen, nämlich den Mimmo-Rotella-Preis.

Hast Du den Film gesehen ? Und hast Du bis zum Schluss durchgehalten ? Wie gefiel Dir die Struktur des filmischen Gebildes ?

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