“Notruf Hafenkante”

In der Erfolgsserie Notruf Hafenkante habe ich einen Lotto-Millionär gespielt, der in seiner Villa überfallen worden ist. Die Regie führte Neelesha Barthel. Ich liebe Krankenhäuser aus Sperrholz und Plastik über viele Hundert Quadratmeter und nur teilweise mit Plafond.

Lotto-Millionär, vorher – Foto: Selfie

Der Fussboden sah täuschend echt aus, wie Linoleum oder PVC. Ich musste wirklich dreimal hingucken, bis mir klar wurde: Das ist bemalte Spanplatte. – Ähnlich verhielt es sich mit den Glasbausteinen, dem falschen Fahrstuhl, der automatischen Tür: Alles Fake, es war herrlich !

Gedreht wurde mit zwei Kameras gleichzeitig, sodass wir die Szenen durchgespielt haben. Das kam mir sehr entgegen und erinnerte mich an Theater, obwohl es doch eine ganz andere Tätigkeit ist.

Neelesha Barthel liess uns einfach machen, und mir gefiel ihr feiner Humor, und natürlich, dass sie mit unseren schauspielerischen Angeboten etwas anfangen konnte. Das war sehr souverän von ihr.

Lotto-Millionär, nachher – Foto: Selfie

Jeanette von der Maske hatte viel unterschiedliches Blut zur Auswahl. Ganz nach Bedarf, ob flüssiger oder zäh und modellierfähig, dunkler oder hell. Mal aus der Flasche, mal aus der Tube. Es war wirklich sehr beeindruckend und sah im Endeffekt erschreckend echt aus.

Die medizinische Fachbetreuung bei den Krankenhausszenen war fachmännisch und gleichzeitig professionell mediengerecht. – Auffallend war die starke Freundlichkeit aller Kolleginnen und Kollegen, sodass ich ein sehr schöne Tage dort verbracht habe.

“Francofonia” – Opus über Kunst und Krieg

Kurz nach der Geburt meiner Tochter Louise kam ein Anruf mit der Bitte, mal schnell zu einer Anprobe nach Paris zu kommen. – Allô !?

Der russische Metteur-en-szène Alexandre Sokurov hat mich als guten Nazi-Offizier in Sachen Kunst besetzt. Als Banause hatte noch nie etwas von diesem Regisseur gehört oder gesehen und holte dies blitzschnell nach, bevor ich zur Anprobe nach Paris flog. Damit ich ungefähr im Bilde bin, wofür Sokurov steht. Mindestens für einen goldenen Löwen in Venedig; jeder Cineast kennt ihn. Ein Dinosaurier, dessen Name in einem Atemzug mit Andrei Tarkowski genannt wird.

francofonia-von-alexander-sokurov
Jeden Morgen wurden meine Haare neu gefärbt. – Foto: Alexej Jankowski

Es war eine sehr aufregende Zeit, in dem Louvre-Opus über Krieg und Kunst mitzuspielen. Und ich könnte jetzt sehr viele Seiten darüber schreiben, was ich während der Dreharbeiten alles erlebt habe, und wie anders dieser Meisterregisseur arbeitet.

Es war ein echtes Highlight. Sowohl in meinem Schauspielerdasein, als auch in meiner privaten Biographie.  Darüber wie ich  zu dieser Ehre gekommen bin, mit Sokurov – und im Ausland zu arbeiten, obgleich meine Französischkenntnisse dies nicht verlangen – erreichten mich verschiedene Erklärungen. Am besten gefiel mir die von Sokurov selbst: Er habe nämlich A) einen original Deutschen Schauspieler besetzen wollen und B) habe meine Bienenhaltung den entscheidenden Ausschlag gegeben, sich für mich zu entscheiden. Das finde ich noch immer super !

Vom Windeleimer direkt auf den Lido zum roten Teppich eingeflogen. – Foto: S. Caër

Der Film wurde recht lang und aufwändig nachbearbeitet, und dann erreichte mich  eine Einladung nach Venedig ! wo der Film auf der 72. Biennale lief; auch ohne einen Löwen gewonnen zu haben, war der Film immerhin dafür nominiert, und Monsieur Sokurov nahm dort einen anderen Preis entgegen, nämlich den Mimmo-Rotella-Preis.

Hast Du den Film gesehen ? Und hast Du bis zum Schluss durchgehalten ? Wie gefiel Dir die Struktur des filmischen Gebildes ?

“Sesamstrasse – Eine Möhre für Zwei”

Hier konnte ich den Beruf mit meinem Hobby verbinden. Das hat natürlich doppelt Spass gebracht. – Seit meiner Kindheit rätselte ich darüber, wie das mit den Sesamstrasse-Puppen funktioniert. Und jetzt weiss ich das endlich.

Klar war, das eine Figur zwei Spieler benötigt, doch wie das genau funktioniert, konnte ich nicht ahnen und es blieb ein Geheimnis. 

Es war ein besonderes Erlebnis den Puppenspielern bei ihrer Arbeit zuzusehen, und ein bischen bin ich auch neidisch gewesen auf diese tolle Tätigkeit. Ich hätte auch gerne so eine Figur, für die ich dann der Spezialist bin. – Die Puppen selbst sind in der Tat Fernsehstars, und sie werden dementsprechend behandelt: Wie rohe Eier. Sie haben einen Assistenten, der sie hegt und pflegt, sie mit einer extra Bürste kämmt und abschirmt von allem Groben und vor Schmutz.

Sesamstrasse und ihre Logos sind Markenzeichen von Sesame Workshop. Alle Rechte vorbehalten. Bild: Thorsten Jander, mit freundlicher Genehmigung der Redaktion

Die Blumen im Bild wurden übrigens extra ins Set gestellt. Sie befanden sich in Töpfen auf einer Bank, und das ganze Ensemble ruhte auf einem Podest, das man auf einer Sumpfwiese eingerichtet hat. Die Bienenstöcke in der Sendung waren nicht meine eigenen, und während der Dreharbeiten zog aus einem von ihnen ein Schwarm aus. Ich hatte soetwas noch nicht erlebt, weil ich als Imker Schwarmverhinderung betreibe. Es war wirklich ein Naturschauspiel, diese Bienenwolke, die sich dann an einem hohen Ast zu einer Traube sammelte. Doch der Schwarm flog weiter und entschwand, bevor man ihn filmen konnte oder gar einfangen.

“Die nervöse Grossmacht – Vom Reich zur Republik”

Kostümaufwand macht natürlich Spass. Schon die Auswahl des richtigen Bartes ist ein grosses Vergnügen, besonders wenn das Angebot entsprechend stark ist.

Als reaktionärer Geheimdienstler Wilhelm Stieber – Foto: selfie

Gedreht haben wir in einem halb verfallenen Herrenhaus bei Jena. Das Parterre war noch gut erhalten. Oben sah es dann schon anders aus. Die DDR hatte zeitweise ein Kinder- und Jugendheim darin unterhalten, und diverse bauliche Massnahmen, mit dem Charme einer behördlichen Aussenstelle, zeugten davon.

Mit dem Regisseur Bernd Fischerauer verstand ich mich in der Arbeit sehr gut. Leider ist er schon verstorben, und so blieb es bei dieser einzelnen Zusammenarbeit. Im Vorfeld sollte ich zu einem Kennenlerngespräch nach Berlin kommen. Das Gespräch dauerte ungefähr 5 Minuten und für nähere Fragen zu Rolle und Projekt schien es keine Zeit zu geben; es mussten noch andere Schauspieler kennengelernt werden. Beim Drehen selbst, war das dann allerdings anders. Hier öffnete er seine Pforten und nahm sich Zeit.

 

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